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Abschiedsgedichte
Sammlung klassischer Gedichte zum Abschied. Die Abschiedsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 1 von 2 [abschiedsgedichte.htm]
Dem Scheidenden ist jede Gabe wert,
Ein dürres Blatt, ein Moos, ein Steinchen aus der Quelle,
Dass er des Freund's gedenke, jener Stelle,
Wohin er ewig hin und hinbegehrt:
Ein Zeuge bleibts, wie sinnig wir gewandelt.
So wird ein Nichts zum höchsten Schatz verwandelt.
poetische Bibliothekar, 1845
Leb' wohl, mein junger Freund! und ende
Mit Glück und Ruhm, wie Du begannst.
Geh'! wird' einst, was Du werden kannst,
Vortrefflich! Keine Lockung wende
Dich ab vom Ziel; sei Dir Dein strengster Richter, sei
Von jener Eitelkeit gemeiner Künstler frei,
Die sich in ihrem Werk mit kindischem Ergötzen
Bespiegelt, laut sich selig preist,
Dem Würdigern den Kranz entreißt,
Um ihn sich selber aufzusetzen.
poetische Bibliothekar, 1845
Westeshauch und Stürmewut,
Wellenspiel und tolle Brandung,
Frühlingsduft und Sommerglut
Treiben uns zur fernen Landung.
Wohl dem Schiffer, dem nicht graut,
Wenn er jenes Ufer schaut.
poetische Bibliothekar, 1845
Freundin, wandle froh und weise
Deinen künft'gen Pfad dahin!
Pflück' auf Deiner Lebensreise
Alle Blumen, die Dir blüh'n;
Und wenn einen Strauß zu winden,
Deine Hand einst Blumen bricht,
Wirst Du auch ein Blümchen finden,
Welches heißt Vergissmeinnicht.
poetische Bibliothekar, 1845
Kommen und Scheiden,
Suchen und Meiden,
Fürchten und Sehnen,
Zweifeln und Wähnen,
Armut und Fülle, Verödung und Pracht,
Wechseln auf Erden wie Dämm'rung und Nacht.
poetische Bibliothekar, 1845
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