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Geburtstagsgedichte
Sammlung klassischer Gedichte zum Geburtstag. Die Geburtstagsgedichte
entstammen antiquarischen Büchern. Seite 13 von 16
[geburtstagsfeier.htm]
An den Geliebten oder die Geliebte
Der schönste Tag in meinem Erdenleben
Wird heut von mir begrüßt,
Es ist der Tag, der Dich der Welt gegeben,
Dich, die mir alles ist!
O welche Hoffnung tritt an diesem Tage
Umkränzt vor meinem Blick!
Sie übertönet die geheime Klage,
Des Zweifels Missgeschick.
Vom höchsten Glück würde ich erfreuet,
Wär' es vergönnt mir,
So oft sich dieser schöne Tag erneuet,
Laut zu verkünden Dir:
Dass Du nur meines Auges Licht und Sonne,
Mein Glück der Seele bist,
Und ohne Dich auf Erden keine Wonne
Für mich zu finden ist!
Vereint mit Dir das Leben zu durchwandern,
Macht glücklich mich allein;
Und, ach, wer weiß, ob du mit einem Andern
Noch könntest glücklich sein!
Zwar treten Hindernisse uns entgegen -
Wohl mach' ich's schmerzlich kund -
Es fehlt uns noch des bied'ren Vaters Segen
Zu unserm Liebesbund: -
Doch wenn wir nur den Mut nicht fliehen lassen,
Dann ist das Ziel nicht fern:
Vom Himmel wird die Liebe nie verlassen,
Ihr strahlt des Glückes Stern!
O diese Hoffnung lass uns fest umfangen,
Wir werden dann vereint
Das heißersehnte, schöne Ziel erlangen,
Das uns noch fern erscheint.
O mög' der Himmel uns das Glück gewähren,
Dass, wenn nach Jahreszeit
Und dieser frohe Tag wird wiederkehren,
Wir Hymnen schon geweiht.
Dann wird umringt von sanften Lebensfreuden
Und frei von Gram und Schmerz
Dein Wiegenfest von Dir, Geliebte, scheiden.
Dies wünscht ein treues Herz!
poetische Bibliothekar, 1845
An den Bruder oder an die Schwester
Mein Auge schwimmt in Freudentränen,
O Schwester! wenn mein Geist die Szenen
Der nun verschwund'nen Jahre denkt,
Die uns ein mild Geschick geschenkt.
Sie kehren heut mir alle wieder,
Denn heute schwebt die Stunde nieder,
Die Dich, Du Teuerste, gebar,
Und stellt mein Jugendglück mir dar.
Es können Worte nicht verkünden,
Was gleichgeschaff'ne tief empfinden;
Auch ich entschlei're Dir nur schwach
Mein Hochgefühl an diesem Tag,
Der einst ein vielgeliebtes Leben:
Die einz'ge Schwester mir gegeben,
Der ich mit Bruderinnigkeit
Mein ganzes treues Herz geweiht.
Des Lebens junge Blütenstunden
Sind uns in Eintracht sanft verschwunden,
Und trennte später uns die Pflicht,
So trennen sich die Herzen nicht.
Ich sah Dich in dem größern Kreise,
Doch immer blieb, nach alter Weise,
Im Glück, in Freuden und im Schmerz
Dem Bruder seiner Schwester Herz.
So bin ich auch Dir treu geblieben,
Dich rein und unverfälscht zu lieben,
War immer meine höchste Lust;
Sie schwellt auch heut in meiner Brust.
So lass mich dann auch mit den Deinen
Heut meinen reinen Wunsch vereinen,
Ihn Dir durch diese Worte weih'n:
Stets sollst Du froh, und glücklich sein!
Froh in dem Kreise Deiner Lieben
Ist Dir das höchste Glück geblieben,
Ein fühlend Herz, ein Geist voll Kraft,
Der sich sein Eden selbst verschafft;
Und um Dein Glück noch zu vermehren,
Sind Kinder, die Dich zärtlich ehren
Dein Stolz und Deine Zuversicht,
Und solche Freuden altern nicht.
Lang' sollst Du diese Wonne fühlen,
Wenn Kindeskinder Dich umspielen,
Dein offnes Auge, mild entzückt
Den Lebensschauplatz überblickt.
Oft soll dies Fest noch wiederkehren,
Geweiht durch reine Wonnezähren;
Dann schau' ich dankbar himmelwärts
Und drück' auf's neue Dich ans Herz.
poetische Bibliothekar, 1845
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