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Hochzeitsgedichte
Sammlung klassischer Gedichte zur Hochzeit. Die Hochzeitsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 6 von 6 [gedichte-zur-hochzeit.htm]
Zu Vermählung der Schwester
Wer jubelt nicht mit uns im Hochzeitssaale,
O wessen Herz schlägt hier nicht hochbeglückt.
Weil feierlich beim freudenvollen Mahle
Die Myrthe Dir die freie Stirne schmückt;
Weil, gleich der Frühlingssonne mildem Strahle,
Die Freude heut' aus Deinen Augen blickt!
Doch Wehmut trüb der Unschuld reine Freuden,
Gedenken wir, dass jetzt von Dir wir scheiden.
Wir sollen ohne Dich nach Hause kehren,
Wo jeder Ort durch Dich uns teuer ist;
Wir sollen Deine Gegenwart entbehren,
Die uns so oft der Krankheit Schmerz versüßt;
Entbehren Deine schwesterlichen Lehren,
Die Du der lieben Eltern Freude bist!
Mit uns nicht nur der Jungend Frohsinn teiltest,
Getreu bei uns'rer Arbeit auch verweiltest.
Du warst ein Vorbild uns der Kindesliebe,
Die Eltern zu erfreuen stets bereit,
Erwecktest Du in uns die reinen Triebe
Für stille Tugend und für Frömmigkeit.
Oft wünschten wir, dass fern noch von uns bliebe
Die schönste Stunde Deiner Jugendzeit,
Die heute Dir so feierlich erscheinet,
Mit dem geliebten Gatten Dich vereinet.
Doch Dir zur Freude ist er ja erschienen
Der schöne Tag, ein Lichtblick himmelwärts!
Wir sehn für Dich der Liebe Myrthe grünen,
O dieses mildert uns der Trennung Schmerz.
Ja, wie es edle Seelen reich verdienen,
Ist hoch beglückt Dein liebevolles Herz,
Denn ein getreuer Gatte bleibt, wie heute,
Geliebte Schwester! immer Dir zur Seite.
O möchte immer Dich dies Glück umstrahlen!
Beseligend sich Dir der Frohsinn nahn,
Dein Fuß nur über Frühlingsblumen wallen,
Nie auf des Schmerzes dornenvoller Bahn.
Wie sich im See des Himmels Farben malen,
So zeigt die Erinn'rung Dir fortan
Der Seligkeit bekränzte heitre Stunden,
Die schnell im Arm der Freundschaft Dir entschwunden.
O möchte doch Dein Gatte uns vergönnen,
Recht oft die Zeugen Deines Glücks zu sein;
Wenn wir recht oft bei Dir verweilen können,
Der Jugend uns an Deiner Seit' erfreun,
Dann werden wir so schmerzlich uns nicht trennen.
Oft kehr' auch Du bei unsern Eltern ein,
Dann schwinden bei dem häuslich stillen Glücke
Geflügelt uns, wie sonst, die Augenblicke.
poetische Bibliothekar, 1845
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