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Hochzeitsgedichte
Sammlung klassischer Gedichte zur Hochzeit. Die Hochzeitsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 1 von 6 [hochzeitsgedichte.htm]
Gesang vor der Trauung
Empfange sie von Lieb' umflossen,
Die jetzt von Deinem Antlitz stehn!
Als unzertrennliche Genossen
Durch's Pilgerleben hinzugehn,
Geloben sie mit Herz und Mund;
Herr, segne ihren Liebesbund!
Sie wollen liebend sich umfassen,
Wenn Gram und Schmerzen sie bedräu'n;
Sie selbst im Tode nicht verlassen,
Und drüben ihren Bund erneu'n.
Du, Vater! Schöpfer der Natur,
O, segne gnädig ihren Schwur!
poetische Bibliothekar, 1845
Gesang nach der Trauung
Das Band, aus Zärtlichkeit gewoben,
Ist nun geknüpft für Ewigkeit;
Der Schwur hat sich zu Gott erhoben,
Zum Tempel der Unsterblichkeit;
Der Herr, den jedes Wesen ehrt,
Hat gnädig unser Flehn erhört.
Er sende seinen sanften Engel,
Den Geist des Friedens, jetzt herab,
Dass er durch diese Welt voll Mängel
Euch treu geleitet bis ans Grab,
Und nimmer eine Zwistigkeit
Den heil'gen Ehebund entweiht.
poetische Bibliothekar, 1845
Zur Vermählung der Tochter
Es ist geschehn, die Ringe sind gegeben,
Aus denen sich die feste Kette schlingt,
Die für des Menschen ganzes Erdenleben
Wohl oder Weh', Lohn oder Strafe bringt;
Die, wenn um ihn des Grabes Nächte schweben,
Hinüberreicht, wohin der Tod nicht dringt.
Wie fühlt des Vaters Herz ein süß Erbangen,
Sieht er sein Kind an solches Ziel gelangen!
Doch zage nicht! Was fromm mit Gott begonnen,
Das führt er auch zum schönsten Ziel hinaus;
Der frommen Tochter blühen hohe Wonnen
Im Arm des Gatten, wie im Vaterhaus.
Ein edles Herz hat Liebe Dir gewonnen,
Was zweifelnd Dich bekümmert, Gott vertrau's.
Er hat voll Huld Dir leichte Bahn bereitet,
Da Dir voran ein leuchtend Muster schreitet.
Die Mutter ist's, die Krone deutscher Frauen,
Die in Gefahr, in Krankheit Dich bewacht,
Die sich verjüngt in Deinem Bild zu schauen,
Zu ihres Wirkens schönen Zweck gemacht,
Die treu besorgt an Deinem Glück zu bauen,
Des Lebens Lust zum Opfer Dir gebracht.
Ihr ward vergönnt zu treuer Sorgen Lohne
Dein Hochzeitskranz als ihrer Tugend Krone.
O gleich' ist stets, so wirst Du ruhig wallen,
Ob rau, ob eben Deines Lebens Pfad;
Des Glückes Schein muss zwar vom Himmel fallen,
Doch Ruhe folgt als Lohn der edlen Tat.
O bleibe treu den weisen Lehren alle,
Dann keimet Segen aus der Tugend Saat,
Und späte Enkel weihen fromme Klage
Und Tränenzoll an Deinem Sarkophag!
poetische Bibliothekar, 1845
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