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Liebesverse,
Poesiesprüche -
Poesie von Hoffmann von Fallersleben
Sammlung klassischer Liebesverse. Die Liebesverse entstammen antiquarischen
Büchern. Seite 7 von 9 [liebestexte.htm]
Wer nach dem Wesen strebet,
Der weiß, wie fern der Schein ihm ist.
Ich hab' in dir gelebet,
Noch eh du mir erschienen bist.
Nein, du bist mir nicht gewogen!
Auf der Lippen roten Bogen
Legst du deiner Seele Pfeile,
Und du triffst mich, wenn ich weile,
Und du triffst mich, wenn ich eile.
Warum sprühst du solche Funken,
Funken deines Augenlichts?
Ach! ich taumle wonnetrunken
Schon vom Glanze hingesunken,
Glanze deines Angesichts.
Schön wie die Sonn' und doch die Sonne nicht,
Denn du bist frei von Sonnenflecken,
Ich kann in deinem reinen Angesicht
Nichts als ein reines Herz entdecken.
Wenn ihr badet auf des Meeres Grunde,
Wisset ihr des Wassers Farbe nicht.
Und ihr könnt noch fragen: gib uns Kunde,
Sag, wie ist ihr Angesicht?
Bin ich doch versunken tief zu Grunde,
Tief in ihrem Augenlicht.
An deiner Schönheit Rosenhage
Sieht nie mein Aug sich satt,
Und viel zu kurz sind diese Tage,
Zu lesen jegliches Blatt.
Ja, überselig hast du mich gemacht!
Der allerlängste Tag, er reicht nicht hin,
Und viel zu kurz ist jeder Traum der Nacht,
Zu denken, wie ich überselig bin.
Ich fühl's, um dieser Wonne ganz zu leben,
Muss Gott mir noch ein zweites Leben geben.
Mein irdisch Mühn und Streben
Harrt noch auf seinen Lohn -
Und du hast mir gegeben
Den ganzen Himmel schon.
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