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Liebesverse,
Poesiesprüche -
Poesie von Hoffmann von Fallersleben
Sammlung klassischer Liebesverse. Die Liebesverse entstammen antiquarischen
Büchern. Seite 8 von 9 [poesie-gedichte.htm]
Wie deine Schönheit trat an's Licht der Welt,
Da war betrübt des Frühlings Blütenfeld:
Rot ward die weiße Rose da vor Scham,
Die rote Rose wurde bleich vor Gram.
Wer noch zweifelt einen Tag,
Ob ihm Liebe Liebe gibt;
Wer zu denken noch vermag,
Dass er liebet, wenn er liebt -
Hat ein Leben nie begonnen
Und vollendet nie ein Leben,
Und der Erde schönste Wonnen
Wird ihm auch kein Himmel geben.
Du bist die goldne Schale,
Und was ich leg' hinein,
In deinem Widerstrahle
Empfängt es goldnen Schein.
Ein jeder Blick ist mir ein Diamant,
Doch, Liebchen, nur ein jeder Blick von dir.
Und reichst du mir nun gar noch deine Hand,
Ein jeder Finger ist ein Weltteil mir.
Und spricht dazu dein Mund: ja! ich bin dein,
So ist ja auch der ganze Himmel mein.
Ich wär' ein Weinberg ohne Reben,
Ein Garten ohne Blumenzier,
Ich wär' ein Leben ohne Leben,
Wär' ich nicht immerfort bei dir.
Sei du das Licht, lass mich die Kerze sein.
Die Kerze klaget nicht,
Geduldig will sie gern ihr Leben weih'n
Für deiner Schönheit Licht.
Will eine Blume sich erneuen,
So muss sie ihre Frucht verstreuen;
Und will der Mensch in einem Herzen leben,
So muss erst sein eignes Herz drum geben.
Ob er Früchte je gewinnt,
Hat der Baum noch nie gedacht;
Und er steht in Blütenpracht
Unbekümmert Tag und Nacht.
Was mein Herz auch denkt und sinnt,
Ob es träumet, ob es wacht,
Wie's auch singet, scherzt und lacht,
Niemals hat es noch gedacht,
Ob es Liebe je gewinnt.
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