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Gedichte
zu Neujahr
Sammlung klassischer Gedichte zu Neujahr. Die Neujahrsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 4 von 7 [jahreswechsel.htm]
An die Mutter
Die Fluren deckt des Winters Schleier,
Gestorben ist des Gartens Glanz;
Doch winden wir zur Neujahrsfeier
Dir, Mutter, gern den schönsten Kranz,
Denn Blumen sind von Dir ein Bild:
Du bist so sanft, so gut und mild!
Doch gibt's noch einen andern Garten,
Worin die schönsten Blumen stehn;
Wenn ihrer treu die Gärtner warten,
Kann ihren Schmuck kein Sturm verwehn;
Der Garten, welcher ewig blüht,
Der ist das kindliche Gemüt.
Es welkt des stillen Veilchens Blüte,
Der Rosen Purpur wird zerstört;
Nur in dem Kindlichen Gemüte
Da findest Du, was ewig währt.
In unsrer Herzen stillen Au'n
Blühn: Erfurcht, Liebe und Vertrau'n!
Die Ehrfurcht ist's, die wir Dir zollen,
Viel weiser, besser bist Du ja,
Als wir; eh' wir das Rechte wollen,
Steht Deine Tat schon herrlich da.
Soll unsre Jugend frisch gedeihn,
Muss uns Dein Wille teuer sein.
Die Liebe Dir, in deren Herzen
Die größte Lieb' und Treue wohnt;
Die Schmerz erregen unsre Schmerzen,
Die unsre Müh' mit Beifall lohnt,
Die, sind wir uns der Schuld bewusst,
Verzeihend nimmt uns an die Brust.
Vertrauen Dir, die liebreich warnet,
Wenn wir den rechten Pfad verfehlt;
Uns schützt, wenn uns Gefahr umgarnet,
Und stets das beste für und wählt;
Dir, deren Trost ins Herz uns bringt,
Wenn unser Mut erliegt und sinkt.
So nimm sie hin die schönen Blüten
Und winde sie Dir selbst zum Kranz;
Mehr kann das schwache Kind nicht bieten,
Dein sind wir ja, so nimm uns ganz!
Und ob auch alles einst vergeht,
Die Liebe über's Grab besteht!
poetische Bibliothekar, 1845
An die Mutter
Schon wieder schwand dahin ein Jahr,
Das reich für mich an Freude war,
Schwand hin zur Ewigkeit;
Noch einmal sieht gerührt mein Blick
Auf das entfloh'ne Jahr zurück,
Und Dank sei Dir geweiht!
Du heitertest mir jeden Tag,
Geliebte Mutter, glänzend lag
Mein Los in Deiner Hand:
Du pflegtest mich mit Lieb' und Huld,
Du zeigtest Nachsicht und Geduld,
Fehlt' ich aus Unverstand.
Das, was ich bin, bin ich durch Dich!
Die Mutterliebe rühret mich,
Du warst mein Trost und Schutz!
Du gabst mit liebevollem Sinn
Für mich, was Du erworben, hin,
Entfernt von Eigennutz.
Gekleidet ward ich und genährt,
Durch weisen Unterricht belehrt;
Was Freude mir verlieh,
Das schenktest Du mir reich und viel
Versagtest mir kein schuldlos Spiel,
Entzogst mir Sorgfalt nie.
Darum gelob' ich feierlich,
Mit Ernst und Treue will ich mich
Stets gut zu sein bemühn,
Und im Gefühl der Dankbarkeit
Benutzen meine Jugendzeit,
Und böse Lockung fliehn.
Mein Herz ist frommer Wünsche voll,
Nimm dies Gelübd' als Dankes Zoll:
Empor steigt mein Gebet,
Das kindlich Dir, als reiner Lohn
Für Deine Zärtlichkeit, vom Thron
Des höchsten Glück erfleht.
poetische Bibliothekar, 1845
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