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Gedichte
zu Neujahr
Sammlung klassischer Gedichte zu Neujahr. Die Neujahrsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 5 von 7 [neujahr-gedichte.htm]
An die Mutter
Teure Mutter! deren Leben
Unsres Leben Segen ist,
Die Du, uns von Gott gegeben,
Freundin, Führerin uns bist;
Auf des heut verfloss'nen Jahres
Tage sehn wir froh zurück,
Dankbar froh: denn, o, wie war es
Reich für uns an Freud' und Glück!
Neu war uns an jedem Morgen
Deine Mutterlieb' und Huld;
Wie viel Kummer, wie viel Sorgen
Trugst Du um uns mit Geduld!
Dir den würd'gen Dank zu bringen,
Sind wir, Kinder, noch zu schwach;
Sieh uns, was nicht will gelingen,
Mit gewohnter Güte nach!
Eins nur können wir Dir geben,
Was Dein Mutterherz erfreut
Ein Dir wohlgefäll'ges Leben,
Reine Lieb' und Folgsamkeit.
Nimm dann, Teure, dies Versprechen
Reiner Liebe gütig auf;
Nimmer wollen wir es brechen
In der künft'gen Jahres Lauf.
poetische Bibliothekar, 1845
An den Lehrer
Gehüllt in grauen Nebelflor,
Entfloh das alte Jahr
Nun stieg am Horizont empor
Begrüßet von der Freude Chor,
Ein neues, licht und klar.
Der reinen Freude birgt es viel
Im noch verhüllten Schoß,
Drum beten wir voll Hochgefühl,
Erflehen an dem neuen Ziel
Für Sie das schönste Los!
Den guten Eltern danken wir
Des Lebens Sonnenlicht;
Doch ständen, ach! verlassen wir
Auf dieser Erde, fehlte hier
Uns weiser Unterricht.
Verehrtester! Ihr edles Herz,
Das nahm sich unser an!
Sie zeigte, gegen Erdenschmerz
Uns jene Straße himmelwärts,
Auf dornenvoller Bahn.
Sie wiesen uns den sichern Pfad,
Der zu der Tugend führt;
Sie streueten zur guten Tat
In unsre Brust die goldne Saat.
Jetzt danken wir gerührt!
Ach! schwach nur ist der Kinder Flehn,
Doch Gott versteht es schon,
Wird gnädig jetzt hernieder sehn,
Und Ihnen schenken Wohlergehn
Hier, und am Himmelsthron!
poetische Bibliothekar, 1845
An einen älteren Mann
Heil Dir im neuen Jahre,
Geliebter edler Greis!
Gott kröne bis zur Bahre
Mit Segen Deinen Fleiß!
Wohl Dir, der stets nach Kräften
Zu nützen sich bemüht;
Der noch nicht von Geschäften,
Nicht vor der Arbeit flieht.
So sieh noch lange Zeiten
Dein Leben hoch beglückt,
Bis einst zu Seligkeiten
Dich sanft der Tod entrückt!
poetische Bibliothekar, 1845
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