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Polterabendgedichte,
Polterabendscherze
Sammlung klassischer Gedichte und Scherze zum Polterabend. Die
Polterabendgedichte entstammen antiquarischen Büchern. Seite 2 von 3
[polterabend-gedichte.htm]
Ein Genius überreicht ein Paar Pantoffeln
Von Königsreichen in der Welt,
Die irgend uns bekannt,
Am mächtigsten sich eins erhält:
's Pantoffelreich genannt.
Vor allem hat's zu jeder Zeit,
Und so bis dato noch,
Die pünktlichste Gehorsamkeit
Verlangt für's schwerste Joch.
In Roma hat es seinen Sitz
Seit grauen Jahren schon,
Und schleuderte so manchen Blitz
Von seinem heil'gen Thron.
Doch hat es dort, trotz seiner Macht,
Mit der's das Zepter hält,
Im ganzen weniger vollbracht,
Als in der Frauenwelt.
Hier braucht es weder Wurstgeschütz,
Noch Regeln strenger Art;
Aus schönen Augen schießt der Blitz,
Und Finger, weiß und zart
Die schwenken im Pantoffelreich
Das Zepter allgemach,
Das machet Tigerherzen weich
Und einen See zum Bach.
Hier hast Du solch ein Zepterpaar
Für Deinen Ehestand.
Gebrauch' es weise und bewahr'
Es Dir mit fester Hand.
poetische Bibliothekar, 1845
Bei Überreichung eines Stockes
Der Stock, den ich Dir gegeben
Zur Reis in Hymens Rosenland
An Deines Liebchens treuer Hand,
Sei Dir ein Zauberstab durch's Leben.
Er leite Dich auf ebne Wege,
Sei stets zur Stütze Dir bereit;
Und wo ein Schicksal Dich bedräut,
Erteil' er gleich demselben Schläge.
Doch mög' er dann nur Gaben spenden,
Wenn still er Dir zur Seite steht;
Nie aber zur Aktivität
Gerate er in Deine Händen.
Sonst müsste ich mein ganzes Leben
Den Einfall mit dem Stock bereu'n,
Und würd' es nimmer mir verzeih'n,
Dass ihn heute Dir gegeben.
poetische Bibliothekar, 1845
Bei Überreichung einer Haube
Es reden und träumen die Mädchen viel
Von besseren künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen,
Und endlich führet sie Amor's Hand
Zum Ziele: In Hymens herrliches Land.
Auch Du hast nun bald dieses Ziel erreicht:
Schon morgen bist Du ein Weibchen!
Drum bring' ich zur Gabe, die flitternd und leicht,
Dir, teuerste Freundin! die Häubchen.
Es ist den Bräuten das Eheornat,
Und schmückt die Frauen als zierlicher Staat.
poetische Bibliothekar, 1845
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