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Verlobungsgedichte
Sammlung klassischer Gedichte zur Verlobung. Die Verlobungsgedichte entstammen
antiquarischen Büchern. Seite 2 von 2 [gedichte-verlobung.htm]
An die Braut eines Dichters
Wie konntest Du, Verehrte! doch
An diesen Mann dich hängen,
Mit ihm ins harte Eh'standsjoch
Dich unbesonnen drängen? -
Ach! er, für den Dein Herz entflammt,
Ist Dichter - und die sind verdammt.
Tät' er auch Dir galant und schön,
Und schwüre treue Minne,
So hat er aus Arkadien
Ein Mädchen in dem Sinne;
Der Holden aus der Schäferreich
Schwört er sodann mit Dir zugleich.
Auch schläft er nachts, ganz sicherlich,
Nicht fromm an Deiner Seite;
Da schleicht sein Geist verstohlen sich
Hinweg, zieht im Geleite
Von schönen Mädchen um die Welt,
Die man für feile Dirnen hält.
Man heißt sie Musen, liebes Kind!
Und sie sind gut empfohlen
Bei jungen Männern, denn sie sind,
Vom Kopf bis auf die Sohlen,
Ganz nackend; und ein Jüngling ist
Verloren, wie ihr Weibchen wisst.
Da zieht er dann mit trunknem Sinn,
In dem verliebten Kreise,
Nach ihrem Lorbeerwäldchen hin
Und sie entschlüpfen leise
Hinein - und, weiß der Himmel nun,
Was sie im dunklen Wäldchen tun!
"Ach! dies ist ja nicht auszusteh'n!"
Hör' ich dich , Beste! sagen,
Ja, freilich ist das Ding nicht schön;
Allein, wo willst Du klagen?
Belangst Du ihn beim Eh'gericht, -
Es frisst ein Wolf den andern nicht.
poetische Bibliothekar, 1845
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